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Fit fürs Pferd – Teil 3:
Entspannungs- und Ausgleichstraining für Reiter
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Reiten wird von vielen Pferdebesitzern zur Entspannung genutzt, um einen Ausgleich zur täglichen Anspannung im Beruf zu schaffen. Doch selbst in der Freizeit möchte man auf dem Pferderücken Erfolge erzielen, die ohne entsprechendes Training und Anstrengung nicht zu bewerkstelligen wären. Dies erfordert wiederum eine gewisse Anspannung, so dass weder die für den berufl ichen Ausgleich gesuchte Entspannung, noch gute Voraussetzungen für ein effektives Training vorhanden sind.

 

Die Problematik liegt vor allem darin, dass ein gewisses Potenzial an Energie nötig ist, um die gesuchte Entspannung auf dem Pferderücken zu erreichen. Des weiteren wollen ehrgeizige Menschen nicht nur im Beruf, sondern auch in ihrer Freizeit auf dem Pferd erfolgreich sein und setzen sich deshalb unter entsprechendem Erfolgsdruck.

Diese Voraussetzungen schaffen Stress. Zum einen kann der berufliche Stress, der zum Stall mitgenommen wird, nicht abgebaut werden, zum anderen wird neuer Stress aufgebaut, um auch im Sattel bestimmte Leistungen zu erzielen.

Die andauernde Anspannung hat zur Folge, dass jegliches Leistungspotenzial immer geringer wird, während der Stress und Druck umso größer werden. Um aus diesem Teufelskreis auszubrechen, ist es notwendig umzudenken und mit neuen Methoden und einer anderen Einstellung an die Sache heranzugehen.

Ständige Anspannung verringert die Leistung

Die Natur dient als Vorbild für den richtigen Weg: Wenn sich beispielsweise ein Muskel anspannt, benötigt er zur Regeneration wieder eine Entspannungsphase, um schließlich erneut angespannt werden zu können. Kein Organismus ist dauerhaft belastbar, ohne Schaden zu nehmen. Jeder muss neue Energien tanken können, man benötigt also eine Regenerationsphase, um auf Dauer leistungsfähig sein zu können. Wie der Sportler oder auch das Pferd nach jeder anstrengenden Übung eine Pause benötigt, um Luft zu holen und neue Kräfte zu sammeln, sollte auch der Reiter darauf bedacht sein, sich durch Entspannungsphasen die Voraussetzung zu schaffen, seine Akkus aufzuladen.

Die meisten Freizeitreiter empfinden das Reiten nicht besonders anstrengend, wenn sie sich im Gelände herumtragen lassen. Hierzu werden nur wenig Energien benötigt. Doch wenn man sich wie ein schwerer Kartoffelsack durch die Gegend schleppen lässt, hat das mit Reiten wenig zu tun und die Belastung des Pferderückens ist größer als wenn man sich bemühen würde, mit den Bewegungen des Pferdes harmonisch mitzugehen. Geht man davon aus, dass der Reiter sich redlich bemüht, mit dem Pferd in harmonischer Übereinstimmung zu reiten, kann das Reiten mehr oder weniger anstrengend sein.

Die Mühen und Anstrengungen, die der Reiter im Sattel zu leisten hat, gehen von der Anspannung bestimmter Muskelgruppen zur Stabilisierung des Rumpfes, dem flexiblen Mitgehen des Beckens und der Muskelanspannung zur Hilfengebung über eine gewisse Beweglichkeit des Körpers bis hin zu längeren Konzentrationsphasen und Reaktionsvermögens. All diese Anforderungen an den Reiter erfordern eine grundlegende Fitness, die wiederum durch Training, welches aus An- und Entspannungsphasen besteht, erreicht werden kann.

„Mach mal Pause!“

Anspannungsphasen hat der Mensch oft genug und ehrgeizige Leute genehmigen sich kaum eine Pause, um zu entspannen. Doch gerade die Entspannungsphasen sind ein wichtiger Bestandteil, um letztendlich im Training oder während der Arbeit leistungsfähig zu sein.

Ein entspannter, ausgeglichener Mensch hat neben der höheren Leistungsfähigkeit auch den Vorteil, durch seine Ruhe und Souveränität, die er mit Hilfe verschiedener Entspannungstechniken erreicht hat, sich besser in das Lebewesen Pferd hineinfühlen zu können. Somit funktioniert der „Draht zum Pferd“ deutlich besser, weil ein entspannter Reiter die Ruhe hat zuzuhören und zu horchen. Ganz im Gegensatz zu einem ruhelosen, gestressten Reiter, der nicht in der Lage ist, die feinen Signale des Pferdes aufzunehmen. Die Kommunikationsfähigkeit des entspannten Reiters ist somit größer. Es ist ihm sogar möglich, die Energie, die der Reiter mit Hilfe von Entspannungstechniken aufgetankt hat, teilweise an das Pferd weiterzugeben. Der Reiter kann seine Ruhe, Energie und seine Souveränität auf das Pferd übertragen, so dass die Voraussetzung deutlich höherer Leistungsfähigkeit bei Reiter und Pferd geschaffen ist.

Somit können auch Reiter, die keine sportlichen Höchstleistungen mit ihrem Pferd erreichen wollen, von Entspannungsübungen profitieren. Denn wenn die Kommunikation mit dem Pferd besser funktioniert, harmonisieren Mensch und Tier, wodurch wiederum das gegenseitige Vertrauen und die Freundschaft gefestigt wird. Wenn es Reiter geben sollte, deren Ziel nicht das Vertrauen, die Harmonie und die Freundschaft zwischen Reiter und Pferd ist, sollte er sich zum Wohl des Pferdes dann doch lieber einem anderen Hobby zuwenden.

Es gibt verschiedene Entspannungstechniken, die man am besten unter Anleitung – bevorzugt in Form eines mehrteiligen Kurses – erlernt. Einen sehr hohen Stellenwert nimmt dabei das Autogene Training ein. Bei dieser Entspannungstechnik handelt es sich um eine konzentrative Selbstentspannung. Sie dient der allgemeinen Beruhigung und Entspannung von Körper und Psyche. Dabei konzentriert man sich insbesondere auf die Muskelentspannung und eine ruhige und gleichmäßige Atmung.

Entspannungstechniken

Wer autogen trainieren will, muss diese Methode jedoch zunächst über einen längeren Zeitraum üben, um langfristig damit erfolgreich zu sein. Man sollte das Autogene Training (AT) möglichst täglich anwenden und hierfür jeweils eine gewisse Zeit reservieren, bei der man von Telefon oder anderen Faktoren nicht gestört wird. Nur bei einer professionellen Durchführung, wozu das Erlernen der Methode unter Anleitung gehört, kann man mit dem AT positive Effekte erzielen.

Reiter, die das Autogene Training beherrschen, können diese Entspannungstechnik während kurzer Reitpausen anwenden, um zur inneren Ruhe und Ausgeglichenheit beim Training zurückzufinden oder aufrecht zu erhalten. Des weiteren kann das AT dazu benutzt werden, sich nach anstrengenden Trainingssequenzen zu regenerieren. Nicht zuletzt lässt sich das Autogene Training auf Turnieren einsetzen, um die Nervosität zu dämpfen und sich ideal auf den Prüfungsritt zu konzentrieren.

Eine weitere Möglichkeit bietet die Progressive Muskelentspannung, bei der ebenfalls die Anund Entspannung der Muskeln im Vordergrund steht, um Körper und Geist zu entspannen. Die Progressive Muskelentspannung, kurz PME, sollte ebenfalls zunächst unter Anleitung erlernt werden, um sie später selbstständig durchführen zu können. Man richtet bei dieser Methode den Fokus auf bestimmte Muskeln, die jeweils bewusst an- und schließlich wieder entspannt werden.

Doch es besteht auch die Möglichkeit, eigene Entspannungsübungen durchzuführen, die nicht viel Zeit in Anspruch nehmen und dennoch zu einem positiven Ergebnis führen. So kann es schon reichen, sich einfach genügend Zeit für das Pferd zu nehmen, um ruhiger zu werden und stressfreier zu agieren. Dabei hilft schon eine kleine Reitpause, bei der man die Arme und Beine ausschüttelt und tief durchatmet. Man kann sich darauf konzentrieren, die gesamte Muskulatur zu entspannen und bewusst zu atmen. Hierfür kann man sehr gut die Pausen nutzen, die man auch seinem Pferd gönnt, um nach einer schwierigen oder anstrengenden Lektion zu verschnaufen!

Ausgleichsmaßnahmen

Um Körper und Psyche zu regenerieren sind auch Tätigkeiten sinnvoll, die einen Ausgleich zum Reiten schaffen. Eine so genannte aktive Regeneration stellen beispielsweise Sportarten wie Joggen, Walken, Schwimmen oder Radfahren dar. Dies alles sind – wie das Reiten auch – Ausdauersportarten, die somit auch für das Reiten förderlich sind. Wer lieber passiv regenerieren will, sollte sich mal einen Saunabesuch, eine wohltuende Massage oder durchblutungsfördernde Bäder gönnen.

Selbstverständlich ist es auch sinnvoll, von Fall zu Fall auch mal einen Ruhetag einzuschieben und das Pferd lieber mal auf die Weide bringen, sich aufs Gras setzen und seinem Liebling beim Grasen zusehen. Den friedlich grasenden Pferden zuzuschauen, ist gerade für Pferdeliebhaber eine willkommene Entspannungspraxis. Man sollte hierfür mindestens eine halbe Stunde einplanen, dabei gerne mal die Gedanken abschweifen lassen, und die Einflüsse der Natur bewusst aufnehmen: Man kann den Wind auf seiner Haut wahrnehmen, das Summen der Bienen hören oder den Duft der Kräuterwiese mit der Nase regelrecht aufsaugen.

Solche Entspannungsmaßnahmen sind oft sinnvoller als verbissenes Training, insbesondere wenn man sowieso keine Zeit hat und „nur mal schnell für eine halbe Stunde“ das Pferd sattelt. Gut erholt macht es dann doppelt so viel Spaß, aufs Pferd zu steigen. Dann ist man fit für ein konzentriertes und koordiniertes Training, denn das Leistungspotenzial steigt spürbar.


Quelle:
Renate Ettl für westernreiter (EWU)


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